Früherziehung in TaiwanKinder werden Finanzexperten

Für DPA (schon älter, aber erst jetzt gefunden.)
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Kinder in Taiwan lernen schon in der Schule, das Geld der eigenen Eltern gewinnbringend zu investieren.Kinder in Taiwan lernen schon in der Schule, das Geld der eigenen Eltern gewinnbringend zu investieren.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Freitag, 14. Januar 2011

Viel mehr als “Monopoly”: Einige taiwanesische Schulen bringen schon Kindern bei, wie Geld angelegt wird und Risiken auf den Finanzmärkten einzuschätzen sind. Gerade wohlhabende Eltern sind begeistert von der marktwirtschaftlichen Früherziehung.

Schon lange stehen Ausflüge in nahe Kreditinstitute auf dem Programm von taiwanesischen Grundschulen. Auch werden gerne Bankangestellte eingeladen, um den Kleinen im Klassenzimmer die Funktionsweise eines Sparbuches oder von Geldautomaten zu erklären. Einige Lehranstalten des ostasiatischen Landes gehen aber noch einen großen Schritt weiter: Sechs- bis Zwölfjährigen wird beigebracht, sich auf Finanz- und Aktienmärkten zurechtzufinden und cleverer als die eigenen Eltern dabei zu werden, Geld zu investieren.

Pionierarbeit in marktwirtschaftlicher Früherziehung leistet etwa die Washington Grundschule in der zentraltaiwanesischen Stadt Taichung. Durch eigens für den Grundschulunterricht konzipierte Spiele werden die Kinder hier zu wahren Finanzexperten. Das vermittelte Wissen ist Lichtjahre entfernt von den durch das klassische Brettspiel “Monopoly” zu erlangenden Weisheiten. Statt um die simple Frage “Lieber Haus oder doch Hotel auf der Schlossallee?” geht es für die Kinder um die Minimierung von Investitionsrisiken – den Einflüssen von Politik, Wirtschaft und Naturkatastrophen zum Trotz.

Vorbereitet ins Schlachtfeld der Kapitalmärkte

Die Eltern der Schüler gehören zu höheren Einkommensschichten, ihre Begeisterung für den Finanz-Unterricht ist groß. Früh übt sich, wer einmal auf den Schlachtfeldern der Kapitalmärkte das Familienvermögen vermehren will, so der elterliche Tenor. Welches erstaunliche Maß an Fachwissen die Kinder im Unterricht erlangen, machte eine jüngst von der Washington Grundschule abgehaltene Finanz-Olympiade deutlich.

Früh übt sich, wer reich werden will.Früh übt sich, wer reich werden will.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die sechzehn Schüler-Teams, die im Wettbewerb gegeneinander antraten, konfrontierte man mit Problemstellungen, die andernorts mit Sicherheit selbst Universitätsstudenten ins Schwitzen brächten. Daran, dass es angesichts des Beginns der Hurrikan-Saison in den USA nicht falsch sein kann, in Rohstoffe zu investieren, gab es bei den Grundschülern keinen Zweifel. Auch dass auf die steigenden militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel am besten mit dem Kauf von festverzinslichen Rentenpapieren reagiert wird, war den Kindern klar.

Sechstklässler selbstbewusst und sicher

Während Eltern die Hände über dem Kopf zusammenschlugen und unisono “Viel zu schwer!” stöhnten, zeigte sich einer der Sechstklässler vor laufenden Fernsehkameras selbstbewusst. “Die Schlüssel zum Erfolg sind das Verstehen der wirtschaftlichen Zusammenhänge und die optimale Strukturierung des eigenen Portfolios”, sagte Jiang Xiangzhou – ein Junge, der erst in sechs Jahren alt genug sein wird, um die Führerscheinprüfung machen zu können.

Die taiwanesische Presse widmete ihre Berichterstattung schon öfter den eindrucksvollen Kenntnissen der Schüler der Washington Grundschule. Auch unter Normalverdienern macht sich deshalb immer mehr der Wunsch breit, den Nachwuchs im Unterricht auf die Finanz- und Aktienmärkte der Zukunft vorbereiten zu lassen. Doch sind die Meinungen darüber geteilt, ob man gleich bei den Sechsjährigen mit der optimalen Streuung von Aktienkursen, Anlagefonds und Immobilienvermögen anfangen solle, oder lieber erst mit dem Geldeinteilen, Sparen und Führen von Bankguthaben.

Klaffende Lücke zwischen Schulen

Dem ehrgeizigen Beispiel der Washington Grundschule folgen bislang nur private Lehranstalten – woraus die Tendenz entsteht, dass private und staatliche Schulen immer stärker getrennte Wege gehen. Das taiwanesische Erziehungsministerium machte deutlich, dass es die allgemeine Einführung von Finanz-Unterricht nur für Mittelschulen plane.

Doch ab der siebten Klasse sei es viel zu spät, betonte der Mitarbeiter der Washington Grundschule, Luo Wen-gui, in einem Fernsehinterview. “Wenn auch nur einmal in der Woche Finanz- Unterricht auf dem Stundenplan steht, lernen die Kinder viel mehr als nur einen Bankautomaten zu bedienen und begreifen schon ganz genau, was in der Welt so abgeht.”

Jens Kastner, dpa
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