Eisbein-Pizza und Riesenspinnen – ein Wuppertaler Produktdesigner legt Hand an in Taiwan

Für Top Magazin Wuppertal   pdf: Taiwan_TOP MAGAZIN WUPPERTAL

Ein schickes Designstudio im modernsten Stadtteil von Taiwans Hauptstadt Taipeh, gleich ein Stockwerk über dem dortigen Mercedes- und Porsche Händler. An den Computern ein halbes Dutzend hochmotivierter junger Taiwaner, brütend über Designs von iPad Haltern, Tastaturen und Mäusen. Doch was klebt da über dem Schreibtisch des Design-Managers? Sind das nicht? Doch es sind – Schwimmoper, Stadthalle und Schwebebahn.
Ein Wuppertaler in Fernost kann wohl nicht ohne.

 

Georg Todtenbier ist Produktdesigner in Taiwan seit 2002, entwirft hauptsächlich Designs für Computerzubehör und das sehr erfolgreich. Der 43-jährige gewann kürzlich den „red dot design award“ und den „if award“, beide Preise gehören zu den international renommiertesten Auszeichnungen für Designer. Und Gold wert ist Todtenbier offensichtlich für die 30-köpfige taiwanische Firma CRE8 DESIGN, in der er arbeitet: Zwar werden die meisten Elektronik-Produkte in diesem Teil der Welt hergestellt. Doch im Bezug auf Ästhetik unterscheiden sich asiatische und westliche Geschmäcker noch erheblich.
Todtenbiers Leitung und sein in Deutschland geschultes Auge stellen sicher, dass die Designs überzeugen. Das ist entscheidend über Erfolg und Verkaufszahlen eines Produkts und daher sehr beruhigend für die zumeist westlichen Auftraggeber.

 

Produkte ‘Made in Taiwan’ sahen noch sehr asiatisch aus, als ich hierher kam“ sagt Todtenbier. „Doch die Verbraucher im Westen assoziieren eine fernöstliche Formsprache immer schnell mit billiger und minderwertiger Ware.“

 

Mittlerweile seien es chinesische Firmen, die mit besonders niedrigen Preisen beim Verbraucher punkten, und daher ginge die Strategie des ostasiatischen „Tigerstaates“ Taiwan, der in den 80er Jahren der Herstellung von günstiger Unterhaltungselektronik sein Wirtschaftswunder verdankte, immer mehr zu hochwertigem Design, fügt Todtenbier hinzu.

 

Im Nachhinein wirkt der berufliche Werdegang des Wuppertalers äußerst schlüssig. Erst kam die Lehre zum Industriekaufmann in Wuppertal, dann die zum Steinmetz in der Eifel und ein Design-Studium in Halle. Todtenbier begeisterte sich schon immer für japanische Manga-Comics und Roboter, und als sich 2001 die Gelegenheit für ein Betriebspraktikum bei dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic in Osaka ergab, schlug er zu. Seitdem arbeitet er fast ohne Unterbrechung in Asien, und dass seine deutsche Herkunft ihm gewaltig dabei hilft, wurde ihm schnell bewusst. Todtenbier kommt oft zu Ohren, dass deutsches Design in Asien viele Fans hat, insbesondere im Bezug auf Fahrzeuge.

 

Doch nicht Karosserien, Autoscheinwerfer und Kühlergrille sind seine Spezialität, sondern Bluetooth-Zubehör, PC-Gehäuse und ausgeklügelte Design-Strategien für weltbekannte Marken. Den „red dot award“ gab es letztes Jahr für eine Maus, und den „if award“ im Januar gleich nochmal obendrauf.

 

Ein bedeutender Wettbewerbsvorteil taiwanischer Designbüros – immer vorausgesetzt, dass sie die Geschmäcker der westlichen Verbraucher erkennen und bedienen – ist die relative Nähe zu den Produktionsstätten. Die meisten Dinge, an deren Design Todtenbier Hand anlegt, werden in chinesischen Fabriken hergestellt, oft nur einen kurzen Flug von Taipeh entfernt. Im Gegensatz zu europäischen oder amerikanischen Designteams können Todtenbiers Kollegen so die Produktion effektiv überwachen und quasi als Qualitäts-Inspekteure für die Auftragsfirmen fungieren, die zumeist in EU und USA angesiedelt sind.

 

Und wie kommt der Wuppertaler außerhalb der Arbeitszeit in seiner fernöstlichen Wahlheimat klar? Ganz ausgezeichnet, wie er sagt: Mountainbiking stünde an freien Tagen meistens auf dem Programm, und „runter gebrettert“ werde von den vielen steilen Dschungeltrails auf den Hügeln, die Taipeh umgeben. Dort verfinge sich sein Gesicht zwar auch schon mal in Netzen von fiesen Riesenspinnen, doch das sei alles durchaus auszuhalten.

 

Eher gewöhnungsbedürftig seien jedoch manche kulinarische Spezialitäten Taiwans, selbst für einen wie ihn, der schon länger als ein Jahrzehnt dort lebt, so Todtenbier.

 

Eine Kollegin hatte neulich extra für mich ‘deutsche Pizza’ bestellt – da war Eisbein, Sauerkraut und braune Bratensoße drauf,“ berichtet er und fügt hinzu, dass die Soße erstaunlicherweise mit intensivem orientalischen Kreuzkümmel statt ‘normalem’ Kümmelzubereitet wurde.

 

War wohl ein Übersetzungsfehler im Kochbuch – aber irgendwie doch gar nicht so schlecht!“

 

 

 

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