Wer über die Neujahrsfeiertage rote Unterwäsche trägt, hat ein ganzes Jahr lang Glück

Wer über die Neujahrsfeiertage rote Unterwäsche trägt, hat ein ganzes Jahr lang Glück

In einer Taipeher Filiale des französischen Hypermarkts Carrefour läuft die Neujahrsmusik mit Klängen von Gongs und Schellenkränzen in der Wiederholungsschleife. Das Verkaufspersonal trägt festlich traditionelle Westen – rot mit goldenen Stickereien verziert. Eine Atmosphäre wie in Deutschland in der Vorweihnachtszeit, Familien in Feiertagsstimmung schieben Einkaufswägen vorbei an Haushaltselektronik, Textilien und dann der Unterwäscheabteilung. Eine Überraschung für das Auge: Ein großer Anteil der verführerischen Dessous auf den Regalen ist rot.

„In den Tagen vor Neujahr kauft niemand weiß oder creme, 80% der Kunden kaufen rote Unterwäsche,“ berichtet Annie Chang, Verkaufskraft bei Carrefour seit vier Jahren. „vor zwei Wochen haben wir die rote Wäsche eingeräumt, ein paar Tage nach Neujahr kommt sie wieder raus.“

Die Farbe Rot symbolisiert Glück und Wohlstand für Menschen in Ostasien und ist deshalb die beliebteste Farbe für Dekorationen jeder Art. Dem Volksglauben nach ist Rot besonders wichtig in den Tagen um das chinesische Neujahrsfest Guonian. Die soziale Funktion, die in westlichen Ländern das Weihnachtsfest ausübt, übernimmt in Taiwan Guonian – Verwandtschaft kommt zusammen, isst, trinkt und spielt Majiang, das populärste chinesische Brettspiel. In Fernsehshows am späten Abend preisen TV-Wahrsager die glücksbringenden Attribute roter Unterwäsche an.

„Wer über Guonian rote Unterwäsche trägt, gewinnt beim Majiang,“ behauptet Lin Jia-lin, eine 23-jährige Studentin der Betriebswirtschaft, eine der Kundinnen im Carrefour Hypermarkt. „Obwohl man mit der Familie spielt, geht es da oft um ganz schön hohe Geldeinsätze.“

Nicht nur Glück im Spiel sollen rote Büstenhalter, Unterhosen und String-Tangas beschehren – dem Glauben vieler Taiwanesen nach bringt das Tragen roter Unterwäsche an den Feiertagen das ganze Jahr über Segen und Erfolg.

Der Werbemanager des japanischen Unterwäscheherstellers Wacoal, Hu Ye-juan, berichtet, dass vor Guonian die Verkaufszahlen durch die Nachfrage nach roter Lingerie normalerweise um 30% ansteigen. Ihm zufolge liefe es in diesem Jahr besonders gut, ein Umstand den er und die taiwanesischen Medien auf die weltweite Finanzkrise von 2009 zurückführen. „Die finanzielle Lage vieler hat sich im letzten Jahr verschlechtert, da besinnen sich viele auf glücksbringende Traditionen“, so Hu.

Laut Weng Ming-xiang, dem PR-Manager einer weiteren Dessousfirma, Aimer Feel, bildeten nicht etwa ältere Leute -die generell dazu neigten, abergläubischer als der Rest der Bevölkerung zu sein – sondern junge Frauen die Hauptkundengruppe. Sie hofften vor allem darauf, wichtige Examen zu bestehen und auf der Karriereleiter einige Stufen hinaufsteigen zu können.

Die taiwanesischen Konsumenten werden sich noch für eine Woche durch die Läden des Einzelhandels drängen und viel Geld in die Volkswirtschaft injezieren. Und wie auch in Deutschland ist die Periode vor den Feiertagen die Zeit in der Verbraucherschutzorganisationen und Behörden das Volk vor Gefahren warnen.

Die taiwanesische Behörde für Standard Überwachung veröffentlichte eine Untersuchung, deren Messergebnisse die Lust am Tragen roter Unterwäsche verderben könnten: 20% der auf dem Markt erhältlichen Ware verliere die rote Farbe viel zu schnell, und das Rot von einem Viertel der Dessous leuchte so schön weil der Grenzwert des Anteils von gesundheitsschädlichen optischen Aufhellern weit überschritten sei.

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