An Hong Kongs Nächten ist vieles faszinierent. Nur der Sternenhimmel nicht.

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Es ist ein Stimmgewirr aus Dutzenden von Sprachen in der Drahtseilbahn, die sich den Hong Konger Berg The Peak heraufzieht. Es gibt „Ahhs“ und „Ohhs“ und Reflektionen von Kamerablitzlichtern in den Scheiben dieser Tram aus dem Viktorianischen Zeitalter. Die Sonne ist wenige Minuten zuvor untergegangen, und die Touristen saugen den Anblick auf, für den sie von allen Erdteilen in die chinesischen Sonderverwaltungszone gekommen sind – den Anblick des Panoramas von Kowloon und Hong Kong Island. Skybeamer, Leuchtreklameschilder und LED-Videowände konkurrieren im nächtlichen Wettbewerb um die Gunst der touristischen Augen.

Von Chinesen sagt man, ihnen seie Einsamkeit und Dunkelheit zuwider. Traditionell gilt die Formel je lebhafter und heller, desto besser, doch für viele Einwohner Hong Kongs ist es des Guten mehr als genug. Lichtverschmutzung, auch Lichtsmog genannt, ist die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht, und die Bewohner der Metropole leiden immer mehr an dessem Übermaß. Laut einer aktuellen Meldung der Behörden sei die Anzahl von Bürgerbeschwerden wegen Lichtsmog um 89% gestiegen. Die urbane Beleuchtung, die den Himmel oft unnatürlich glimmend weiss erscheinen lässt, beleuchte die Schlafzimmer und beeinträchtige die Schlafqualität der Menschen. Umweltschutzverbände warnen vor hormonellen Störungen und erhöhtem Krebsrisiko, und auch Hong Kongs Astrologen haben Grund zur Klage, denn sie sehen keine Sterne mehr.

„Licht ist dort, wo es nicht hingehört. So einfach ist die Definition von Lichtverschmutzung“, erklärt Zhen Xi-leng von Hong Kongs Friends of the Earth,einer der größten Umweltgruppen der Stadt. „Hong Kong ist wie ein Lehrbuch, das zeigt, wie man Licht nicht einsetzen soll, und unser Two International Finance Centre ist das Paradebeispiel.“

Das höchste Gebäudes Hong Kongs auf das sich Frau Zhen bezieht, steht im Mittelpunkt der Kritik. Die Beleuchtung der Spitze des 2IFC, wie das 412 Meter hohe Gebäude in seiner Abkürzung vom Volksmund genannt wird, strahlt direkt in Richtung Weltraum.

Auf den Kinoleinwänden springt Angelina Jolie in „Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens“ mit dem Fallschirm aus dem 88. Stock, im realen Leben jedoch zerbrechen sich neben Umweltschützern auch Leute wie Ju Weng-hong von der Astronomischen Gesellschaft Hong Kongs über dieses Wahrzeichen der Stadt den Kopf. Seinen Messungen zufolge mache das Einschalten der Beleuchtung des 2IFC allein den Himmel auf einen Schlag fünf mal heller. Sterne seien dann nicht mehr zu sehen. In regnerischen Nächten würden die Wolken zur Leinwand, der Helligkeitsgrad des Nachthimmels stiege dann sogar vierzigfach, so der Astrologe Ju.

Eine Allianz aus Umweltschutzgruppen und Astrologen drängt die Regierung auf ein Eingreifen.

Gestritten wird über Einschalt- und Ausschaltzeiten sowie über Definitionen, Klassifizierungen und Kategorisierungen: Wenn man den Betreibern der Wolkenkratzer und Mega-Einkaufszentern zugute hält, dass sie mit Licht Touristen und damit viel Geld in die Stadtkassen bringen, wie verfährt man dann mit Restaurants und Juweliergeschäften? Auch die Ämter selbst stehen im Schussfeld der Kritik: das Straßenamt wegen übertrieben heller Straßenbeleuchtung und das Gesundheitsamt, welches für die Flutlichtanlagen der vielen städtischen Sportplätze verantwortlich ist.

Es ist umstritten, in welchem Umfang Lichtverschmutzung zu Beeinträchtigungen der Gesundheit führt. Offensichtlich ist, dass sich vor allem in Großstädten wie Hong Kong der Tag-Nacht-Rhythmus der Menschen verschiebt. Nach Erkenntnissen von Schlafforschern der Universität Regensburg führte ein Übermaß künstlichen Lichts nicht nur zur Schlaflosigkeit, sondern auch zu Herzkreislauf- und Magen-Darm-Problemen.

Die Mitglieder der Umweltgruppe Friends of the Earth glauben die benötigten kreativen Ansätze für die Lösung des Lichtsmogproblems könne von Experten aus dem Ausland kommen, Experten wie dem australischen Lichtdesigner Simon McCartney. McCartney ist einer der Entwickler der „A Symphony of Lights“, einer allabendlich an Hong Kongs Hafen, dem Victoria Harbour, mit Sinfoniekonzert gepaarten Licht- und Lasershow. Das Spektakel ist nach dem Guiness Buch der Rekorde die größte permanente Licht- und Soundshow der Welt.

McCartneys Ansicht nach seien schlechte Beleuchtungswinkel die Hauptauslöser von Lichtverschmutzung. Nicht die Anzahl der urbanen Lichtquellen seie das Problem, sondern die richtige Ausrichtung der Scheinwerfer. Der Australier sagt: „Ich wundere mich ständig darüber wie in Hong Kong mit Licht umgegangen wird. In Australien, wie auch in vielen anderen westlichen Ländern ist es ganz schlicht und einfach verboten, mit Scheinwerfern direkt in den Himmel zu strahlen.“

 

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